Mittwoch, 6. September 2017

Sommer-Sonnen-Blau-Druck

 


Die Aufgabe der Sommerpost 2017 lockte dieses mal ins Freie. Sonne, Wärme oder Licht waren von Nöten um ein Ergebnis zu erzielen. Erst an siebenter Stelle der Gruppenliste 6 hatte ich schon wunderschöne Stoffstücken bedruckt mit Sonnendruck, Inkodye oder Cyanotype bekommen. Und doch stand eigentlich schon am Anfang für mich fest, es mit der einfachsten Technik zu versuchen.
Für das Motiv gab es auch keine Frage -  Sommer und Sonne - da zeigte mir mein Kopfkino sofort eine buntes Wiese mit Schmetterlingen.
Vorgewaschener Nesselstoff lag bereit und im Regal warteten noch die restliche blauen Textilfarben der Frühlingsmailart 2016.
Nach meinen ersten Versuchen war klar. Es funktioniert am besten auf einem Plastikbrett, dass ich mit Folie abgedeckt habe, die Stoffstücken mit Hilfe eines Schwammpinsels satt mit der verdünnten Textilfarbe getränkt. An dieser Stelle musste ich schnell arbeiten, ein Bestandteil der Textilfarbe, wahrscheinlich ein Verdickungsmittel fiel beim Verdünnen als weiße krümelige Masse aus.. Die Farbe dann durch ein Sieb gegossen schnell aufgetragen, so hat es funktioniert. Ich konnte also nur so viel Farbe verdünnen, wie ich jeweils die entsprechenden Stoffstücken brauchte. Und da ich die Mengen nicht genau abgemessen habe, wurde die Farbintensität nicht immer ganz gleich.



Die Schmetterlinge habe ich aus einer alte Folie  ausgeschnitten, die Blümchen mit einer Stanze aus normalem Kopierpapier ausgestanzt. Solche kleinen Teile lassen sich auch aus Papier mehrfach verwenden.
Die Stanzteile und die Schmetterlinge auf den getränkten Stoff aufgelegt, noch einmal mit dem Schwammpinsel und Farbe angedrückt  und dann ab in die Sonne. Manchmal hat der Wind einen Schmetterlingsfühler gelöst oder eine Kontur nicht mehr ganz scharf werden lassen. Aber im Großen
und Ganzen war ich recht zufrieden mit dem Ergebnis. Sonne, Farbe, die Schablonen und der Zufall haben mich nicht im Stich gelassen. Und nachdem die Textilfarbe aufgebraucht war, habe ich mit Seidenmalfarbe und Pailetten weiter experimentiert.


Vielleicht bringt der Herbst auch noch ein zwei sonnige Tage, an denen ich frei habe und noch ein wenig drucken kann.


Für den Umschlag kamen dann gleich die ausgestanzten und nun mit Stofffarbe eingefärbten Papierblümchen zum Einsatz. Der Untergrund entstand durch eine weitere "Zufallstechnik".
Der einzufärbende Teil wird mit Acryl , hier farblos, abgedeckt. Gut durchtrocknen lassen. Dann wieder etwas mit Wasser anfeuchten und nass die blaue Acrylfarbe auftragen. Auf die nasse Farbe eine Müllbeutelfolie auflegen und diese auf dem Untergrund zusammenschieben und knittern. Alles nur leicht antrockenen lassen, so dass die Farbe nicht mehr fließt und dann abziehen.
Der Schmetterling ist mit einem Laserdrucker ausgedruckt, ausgeschnitten und mit der Motivseite auf das Klebeband geklebt. Dann die Rückseite anfeuchten und so viele Schichten Papier abrubbeln, bis man mit dem Ergebnis zufrieden ist. Nun kann der Schmetterling auf den Umschlag geklebt werden.
Nun freue ich  mich auf den vorerst letzten Brief meiner Gruppe. Dann werden noch einmal alle Sonnendrucke der Gruppe 6 hier gezeigt.

Sonntag, 3. September 2017

Brennofenbau im Kunst- und Kräutergarten Posterstein

Nach den Beiträgen zum Rakubrand und Erdbrand hatte ich versprochen auch noch einen Beitrag zum Bau eines Tonofens zu schreiben. Bilder waren reichlich gemacht. Nach dem Bau im September 2016, der Trocknungsphase im Winter und dem ersten Anheizen im Frühjahr 2017 hat es nun doch noch mehrere Monate gebraucht ehe ich endlich Zeit und Ruhe finde, diesen Post zu schreiben.

Aber fangen wir mit dem September 2016 an.
Unser Ziel war es für den Kursbetrieb bei Bettina Martin - der Keramikerin im Kunst- und Kräuterhof Posterstein einen kleinen Brennofen für Rakubrände aus Ton zu bauen. Angeleitet durch einen Meister seines Faches, Peter Weber wollten wir uns an die Aufgabe wagen.
Ein geschweißter Rahmen auf Rädern, belegt mit Schamotteplatten ist als Unterlage gedacht. So findet der Ofen im  Ruhezustand Platz in einem Nebengelass, wird nur zum Brennen ins Freie geholt.
Für denn Bau des Ofens wird eine gehörige Menge Ton benötigt. Also weichten verschiedene "Restbestände" seit Tagen in großen Bottichen vor sich hin.


Angereichert mit Schamotte mussten die zu einer homogenen Masse verbunden werden. Das geht immer noch am Besten auf einer großen Plane, mit Hilfe der eigenen Füßen und mit Muskelkraft.
Danach wurden handlichere Rollen geschlagen, geknetet und geformt  - wichtig dass keine Lufteinschlüsse entstehen. Die würden den Ofen beim ersten Brennen sprengen.



Dann konnte mit dem Bau des Brennraumes begonnen werden. Wulst für Wulst wird eine Halbkugel aufgebaut. Nachdem der gerade Teil der Außenwand steht wird Tonklumpen für Tonklumpen der Boden für den Innenraum mit gezielten, kräftigen Würfen aufgebracht, geglättet und gut mit der Wand verschmiert.


Ehe nun weitergebaut werden kann muss die Wandung abgestützt werden. Sonst würde das Eigengewicht des nassen Tones die Wand nach Außen treiben.


Ein kleines Feuerchen hilft den Ton anzutrocknen so das der Kuppelbau gelingt.
Durch die obere Öffnung wird später die zu brennende Keramik eingeschichtet - sie ist also entscheidend für die Größe des Brenngutes. Diese Öffnung wird während des Brennvorganges durch einen separaten Deckel (ebenfalls geformt wie eine Schüssel mit einem Rauchabzug) verschlossen. 


Während der eine Teil mit dem Bau des Bernnraumes beschäftigt war, wurde an einem zweiten Arbeitsplatz, mit Hilfe eines aufgeschnittenen Drainagerohres der "Tunnel" für die Befeuerung gebaut. Das eine Ende des Tunnels ist mit dem Brennraum verbunden. Über das andere Ende wird während des gesamten Brennvorganges Holz nachgelegt um die Brenntemperatur zu erreichen und dann zu halten.


Den schwierigen Teil Brennraum und "Tunnel" zusammen zu setzten, die obere Öffnung des Brennraumes mit einer Wulst zu verstärken und einen Deckel zu formen, die Verbindung zwischen "Tunnel" und Brennraum auszuschneiden, überließen wir dann doch lieber den Fachleuten.





 Und nun hieß es geduldig sein. Ein recht feuchter Herbst ließ den Ton nur langsam trocknen. und so mussten wir den ersten Brand im Offen, der in erster Linie dazu dient  den Ofen selber zu brennen, auf das nächste Frühjahr zu verschieben.
Der Karren mit Ofen wurde ins Trockene gebracht und sollte bis zum Frühjahr ruhen. Doch welcher Schreck - ein Riss zwischen Brennraum und Tunnel. Wieder war der Fachmann gefragt,  der dann auch zu einer "Rettungsaktion" kurz vor Weihnachten anreiste und den  Riss wieder verschloss.


Im Frühjahr 2017 war er endlich gekommen, der große Moment.
Fast alle Kursteilnehmer, die im Herbst mit am Ofen gebaut hatten, trafen sich wieder in Posterstein.


  Neben dem ersten Brand des Ofens beschäftigten wir uns mit Keltischer Keramik. Im Vorfeld angefertigte kleine Teile und auch einige an diesem Wochenende geformten Becher, Schalen oder Krüge  wanderten in den Ofen. Und noch einmal wurde unsere Geduld auf eine harte Probe gestellt. Über Stunden musste der Ofen "gefüttert" werden. Holz hacken, beschicken des Ofens, Kontrolle der Temperatur - würden wir die nötige Brenntemperatur erreichen?
So ein Rakuofen mit Holzbefeuerung ist schon etwas Anderes, als die modernen Elektrobrennöfen, bei denen man die Temperatur über Regler und Zeituhren einstellen kann.



Und dann kam endlich der spannende Moment. Der Ofen hat den ersten Brand gut überstanden und auch der größte Teil unserer Keramiken kam ohne Schäden aus dem Ofen. Wir durften wieder viel lernen, die gastliche Atmosphäre des Kunst- und Kräuterhofes genießen und mit einmaligen Keramikunikaten im Gepäck nach Hause reisen.
Vielen dank an den Kursleiter Peter Weber und an die Gastgeber Bettina Martin und Ulrich Simon.